Mit dem Mountainbike über die Death Road

 

La Paz, das heißt Bolivien generell, war eigentlich gar nicht auf meiner geplanten Route vorgesehen. Die spontane Entscheidung, zwischen Chile und Peru doch einen kurzen Schlenker nach Bolivien zu machen, war allerdings eine meiner besten! Und was kann man nun eigentlich so alles hier machen? "Bei La Paz gibt es doch diese Death Road, wo man mit dem Mountainbike runterfahren kann!" Mit dem Mountainbike über die gefährlichste Straße der Welt? I'm in!

Bis 2006 war die Yungas-Straße (Camino a las yungas) das zumindest, denn dann wurde endlich eine Umgehungsstraße gebaut. Auch bekannt als "Camino de la muerte" war die Straße der Weg von La Paz in die Yungas im bolivianischen Amazonas-Regenwald, genauer gesagt nach Coroico. Einspurig, unbefestigter Untergrund, schlechte Wetterbedingungen und keine Leitplanken trotz der gewaltigen Abgründe, Steinschläge und Erdrutsche machen die Straße so gefährlich. Dennoch war sie recht stark befahren, insbesondere von LKWs, die Waren von La Paz in den Regenwald oder zurück transportierten. Jährlich sind etwa 200 bis 300 Menschen auf der Strecke gestorben, so viele Kreuze erinnern an die verunglückten.

Als gefährlichste Straße der Welt ist die Death Road ein beliebtes Touristenziel. Vor allem Mountainbiker brennen darauf, die 3.500 Höhenmeter und 63 Kilometer bergab vom Altiplano in den Dschungel zu fahren. Ich konnte nicht anders, als mich für eine Tour anzumelden. Vorher recherchierte ich im Web ein wenig über Anbieter und achtete auch in den Geschäften sehr genau darauf, dass Bike und Ausrüstung stimmen. Helm, Knie- und Ellbogenschoner an Jacke und Hose sowie eine gute Federung des Bikes waren Grundvoraussetzung. Nettes Add-On: Bei vielen Anbietern erhält man noch ein T-Shirt sowie eine CD mit Fotos, wenn man es geschafft hat. Tour gebucht, zwei Tage später ging's frühmorgens los.

 

Auf 4.700 Meter bei etwa null Grad gab es erst einmal Frühstück in La Cumbre. Die Guides gaben uns außerdem noch ein paar Techniktipps, die wir beim Downhillfahren unbedingt beachten sollten. Und dann ging es los! Das erste Stück fuhren wir noch auf einer asphaltierten Straße, wo ein paar Jungs aus der Gruppe schon mächtig Tempo vorlegten. Ein paar Mal ging mir dann schon durch den Kopf, ob diese Aktion nicht absolut lebensmüde und schwachsinnig ist, aber dann kam immer diese kleine Stimme in meinem Kopf, die sagt "Wenn andere das können, dann kannst du das auch!". Also all den Mut zusammenpacken und weiter ging's!

 

Die eigentliche Death Road begann dann in Unduavi. Der Untergrund ist nicht mehr asphaltiert, sondern steinig, holprig und uneben. Teilweise matschig, teilweise mit Pfützen verziert, der ein oder andere Wasserfall säumt den Weg und bahnt sich dann als Bach quer über die Straße seinen Weg. Die Aufregung stieg, ebenso aber auch die Konzentration. Am Anfang trennte sich schnell Spreu vom Weizen oder besser gesagt Vorsichtig von Lebensmüde. Ein paar erfahrene Downhiller waren schnell nicht mehr gesehen, der Rest der Gruppe verteilte sich dann aber auch recht gut. Wir legten immer mal wieder einen Stopp ein, um die Gruppe und unsere Kräfte wieder zusammenzusammeln.

 

 

Kilometer für Kilometer ging es bergab und mit den fallenden Höhenmetern stiegen die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit. Mein Mut stieg ebenfalls und so versuchte ich immer mehr, etwas weniger zu bremsen, das Bike mal ein bisschen laufen zu lassen und sich seinen Weg durch die Steine auf dem Boden suchen zu lassen. Und es klappte immer besser und meine Motivation stieg noch mehr, als ich das ein oder andere männliche Gruppenmitglied hinter mir ließ. Je weiter wir aber in den Regenwald fuhren, umso heißer wurde es. Mit den dicken Jacken waren die Temperaturen kaum noch auszuhalten, wenn wir eine Pause machten. Beim Fahren allerdings vergaß ich alles um mich herum und genoss nur die holprige Abfahrt. Von der wunderschönen Landschaft konnte man jedoch nur etwas aufsaugen, wenn wir eine Pause einlegten. Während des Fahrens war die Konzentration auf die Straße wichtiger. Trotz allem - jedes Mal, wenn ich am Straßenrand ein Kreuz entdeckte, lief es mir kalt den Rücken runter. Wie viele Menschen ihr Leben in den Schluchten neben dieser Straße gelassen hatten und dass die bolivianische Regierung nicht viel früher schon eine Umgehungsstraße gebaut oder dafür gesorgt hatte, dass die Yungas-Straße sicherer wird, macht einen doch nachdenklich. Für die Kraftfahrzeuge gilt hier sogar als einzige Ausnahme im Land Linksverkehr, damit die Fahrer auf ihrer eigenen Seite links direkt auf den Straßenrand schauen und so den Abstand zur Schlucht besser einschätzen können.

 

Bei den Pausen, die wir immer mal einlegten, erfuhr man dann auch, dass sich der ein oder andere auch mal hingelegt hatte - wunderte mich nur bedingt bei ihrem Geschwindigkeitsrausch! Und tatsächlich passierten uns auch einige wenige Autos und LKWs, die also doch noch die alte Yungas-Straße nutzen.

 

Schlussendlich trafen wir aber alle unverletzt in dem kleinen Ort Yolosala (1.200 Hm) ein, wo die Abfahrt endete. Einer nach dem anderen kam in den kleinen Ort gefahren - total k.o. aber glücklich! Die Death Road mit dem Mountainbike - definitiv eine der besten Sachen, die ich in meinem Leben gemacht habe!

 

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