Cusco Curiosidades - Was die Stadt so besonders macht

Traditionell gekleidete Mädchen
Traditionell gekleidete Mädchen

 

Cusco ist das kulturelle Zentrum Perus, Ausgangspunkt für Machu Picchu und weitere Inkastätten im "Heiligen Tal" wie Maras Moray und Tipon. Ich glaube, Tipps für Touren und Restaurants und Reiseberichte über Cusco gibt es im Netz zu Genüge. Deswegen möchte ich lieber darüber berichten, was Cusco so besonders macht und warum es sich lohnt, die Augen auch in Cusco offenzuhalten und nicht so schnell wie möglich zu Machu Picchu weiterzureisen.

 

Der Nabel der Welt - die schönste Stadt der Welt

 

Cusco es el ombligo del mundo - Cusco ist der Nabel der Welt. Der erste Inka erwachte auf der Isla del Sol im Titicacasee zum Leben und sollte sich dort niederlassen, wo er den vom Sonnengott Inti erhaltene goldene Stab so weit in die Erde stecken kann, dass er verschwindet. Dort befinde sich der Nabel der Welt - der "Qosq'o" auf Quechua. So kam die Stadt zu ihrem Namen und wurde Hauptstadt des Inkareichs. Am 24. Juni wird hier jährlich das Sonnenfest Inti Raymi gefeiert, bei dem die ganze Stadt dekoriert wird und Ausnahmezustand herrscht. Das Zentrum Cuscos ist einzigartig und wunderschön. Der Eintrag als UNESCO-Weltkulturerbe verbietet es, dass große amerikanische Restaurantketten an der Plaza de Armas ihr Logo groß zur Schau stellen. Das führt dazu, dass das historische Stadtbild erhalten bleibt und das Flair der Inka-Hauptstadt sehr traditionsbeladen ist. Die Plaza der Armas ist der Mittelpunkt der Stadt - hier findet sich alles: Clubs, Restaurants, Souvenirgeschäfte, Tourismusagenturen, Touristen, Schuhputzer. Gesäumt von Rundbögen, blauen Balkons und drei großen Kirchen zählt der Platz zu den schönsten der Welt. Als Tourist wird man hier nur selten in Ruhe gelassen. Jeder möchte dir seine Tour zu Machu Picchu oder sonstwohin andrehen, oder auch mal die Massage oder Klamotten - und man muss aufpassen, dass die Schuhe nicht schneller sauber sind, als man "Nein" sagen kann.

 

Busfahren

 

Busfahren in Cusco ist ein Erlebnis. Die Busunternehmen sind privatisiert und gehören vielen unterschiedlichen Geschäftsleuten. Die dürfen mit ihren Bussen machen, was sie möchten - das heißt, Linien nach ihrem Belieben etablieren. Sie geben ihrer Linie einen Namen, der differenziert (zum Beispiel Batman) und kennzeichnen sie dementsprechend (zum Beispiel mit der Batman-Maske). In den Bussen fährt eine Person mit, bei der man die Fahrt bezahlt (der "Cobrador") und der an den Haltestellen lauthals aus dem Bus schreit, welche folgenden Haltestellen der Bus anfährt sowie die Fahrgäste mit wiederholten "aussteigen, aussteigen, aussteigen", "schnell, schnell, schnell", "einsteigen, einsteigen, einsteigen", "durchgehen, durchgehen, durchgehen" dazu ermuntert, beim Einsteigen und Aussteigen nicht die sonstige peruanische Gelassenheit an den Tag zu legen. Die Busse sind übrigens so gut mit Radio oder Musik beschallt, dass jeglicher Versuch, seine eigene Musik zu hören, zwecklos ist. Außerdem sind die Decken so niedrig, dass ich es als relativ große Frau schwer hatte, gerade zu stehen, und die Sitze sind so nah hintereinander eingebaut, dass ich auch nicht gerade sitzen konnte, ohne mir die Knie einzuquetschen.

 

Der Batman-Bus bei einer Bus-Demo
Der Batman-Bus bei einer Bus-Demo

 

Peruanische Küche - Reis mit Kartoffeln, Meerschweinchen, Rinderherzen

 

Die peruanische Küche etabliert sich weltweit immer stärker mit klassischen Köstlichkeiten wie Ceviche, Lomo Saltado oder Ají de Gallina. Aber nicht nur die für "Westeners" fancy Gerichte sind typisch peruanisch. Besonders auffallend ist, dass oft "Carbs on carbs on carbs" gegessen werden. Als Beilage zum Fleischgericht gibt es nicht Reis ODER Kartoffeln ODER Brot. Nein, es gibt alles. Und zwar immer. Stichwort Kartoffel: In Peru gibt es 4.000 verschiedene Kartoffelsorten. Für jedes Gericht wird eine andere Sorte verwendet. Eine peruanische Delikatesse ist Meerschweinchen. Klingt abartig für deutsche Ohren, wünscht sich hier doch jedes Kind eines als Haustier. In Peru hingegen werden Meerschweinchen nicht als Haustiere gehalten sondern in erster Linie in Zuchtanlagen und dann für viel Geld als Nahrungsmittel in "Cuyerias" an den Mann gebracht. Und an jeden, der sich nun denkt "wie kann man nur Meerschweinchen essen?!" - warum ist es schlimmer, ein Meerschweinchen zu essen statt ein Schweinchen? Oder ein Häschen? Oder ein Reh? Oder ein Lämmchen? A propos außergewöhnliche Fleischgerichte. An nahezu jeder Ecke in Cusco findet man kleine Grillstände, an denen man Rinderherz am Spieß kaufen kann: Anticucho nennt sich dieser beliebte Snack.

 

Klopapier am Kiosk

 

Eine Sache, die man in Bolivien und Peru auch sehr schnell lernt, ist, dass in öffentlichen Toiletten nur selten auch Toilettenpapier bereitgestellt wird. Deswegen trägt eigentlich jeder seine eigene Klopapierrolle in der Handtasche mit sich herum. Und deswegen findet man Toilettenpapierrollen auch einzeln verpackt an den kleinen Straßenständen, die ansonsten Kartoffelchips, Yuccachips, Mars, Snickers, Kaugummi, Cola und Inka-Cola im Angebot haben. Taschentücher sind hingegen eine Rarität.

 

Preise: Muffins für 20 Cent und Muffins für 2 Euro

 

Wie vielerorts in Südamerika sind die Preise in Cusco stark von der Gegend abhängig. Cusco ist ein Hotspot für Touristen, da die Stadt der Ausgangspunkt für Touren zu Machu Picchu ist. Im Stadtzentrum, rund um die Plaza de Armas, haben Cafés und Restaurants ihre Preise so angezogen, dass sie fast europäischem Niveau entsprechen. Wenn man sich etwas außerhalb vom Stadtzentrum aufhält, erlebt man hingegen das wahre Cusco - mit Müll auf den Straßen, mit dem Geruch nach Urin in kleinen Gassen, aber auch mit Bäckereien, in denen man umgerechnet 20 Cent für einen leckeren selbstgebackenen Muffin bezahlt. Da muss man aufpassen, dass man diesen Bäckereien nicht ein bisschen zu oft einen Besuch abstattet...

 

La hora loca

 

La hora loca bedeutet übersetzt "die verrückte Stunde". Wer sie einmal miterlebt hat, weiß, warum sie so heißt. Bei Geburtstagsfeiern, Quinceañeras oder sonstigen Anlässen stürmen zu späterer Stunde verkleidete und maskierte Personen die Tanzfläche, verteilen bunte Blumenketten, wirbeln Konfetti durch den Raum und motivieren alle, noch mehr zu tanzen und Spaß zu haben. Als ich die hora loca zum ersten Mal erlebte, war ich richtig überrascht und verwirrt, bis ich herausgefunden habe, dass sie in Peru eine feste Institution bei jeglichen Feierlichkeiten ist!

 

Maskerade bei der "verrückten Stunde"
Maskerade bei der "verrückten Stunde"

 

Tanz und Musik überall

 

Wie schon weiter oben erwähnt, wird auf persönlichen Musikgeschmack in den Bussen Cuscos wenig Rücksicht genommen. Aber auch, wenn man durch die Straßen läuft, wird man oft beschallt. Die Musik gehört zur lateinamerikanischen Kultur wie die Pünktlichkeit zur deutschen. Einmal ging ich durch die Avenida Cultura, wo schon aus dem ein oder anderen Geschäft etwas Musik dringt, wenn man daran vorbeiläuft. Aber dieses Mal hatte sogar jemand eine Box so an das Fenster gestellt, dass die ganze Straße in den Genuss der Cumbia-Klänge kommen konnte.

Was mich außerdem begeistert hat, waren die Jugendlichen in Cusco. Sie treffen sich auf Plätzen in ihren Wohnvierteln, stellen einen Blockbuster auf und studieren gemeinsam eine Tanz-Choreo ein. Eine gute Beschäftigung, wie ich finde!

 

Warten, warten, warten

 

Dass in Südamerika alles etwas länger dauert, hatte ich mir schon vor meiner Reise gedacht. Keine europäische Hektik, keine gestressten Menschen. Aber dass ich mal zwei Stunden in einer Bank sitzen würde, um an Geld zu kommen, das hatte ich nicht erwartet! Mein Fehler, ich hatte Travelers Cheques dabei, die ich umtauschen wollte. Dafür muss man eine Nummer ziehen und warten. Und warten. Und warten. Die Stammkunden der Bank werden natürlich als erstes bedient. Deswegen wartet man als Ausländer nochmal länger. Und wenn man Pech hat, tauscht die Bank keine Travelers Cheques sondern verweist dich an die nächste Bank, in der du wiederum zwei bis drei Stunden warten musst, bis du an der Reihe bist. Was wir uns hier wirklich abschauen können: die Engelsgeduld der Einheimischen! Keine Menschenseele beschwert sich oder regt sich auf, dass es lange dauert. Sie sitzen und warten. Teilweise echt stundenlang, ohne einmal aufzustehen, sich die Füße zu vertreten oder um sich mal zu strecken. 

 

Kommunikation via Hupe

 

Außer an der Plaza de Armas, wo das Hupen in Autos verboten ist, kommt die Hupe in Cusco unverhältnismäßig oft beim Autofahren zum Einsatz. In Cusco fahren vor allem Taxis durch die Stadt und nur wenige private Autos. Die Taxifahrer verwenden die Hupe als Ersatz für alle anderen Funktionen, die es in einem Auto noch so gibt, zum Beispiel den Blinker. Vor Kreuzungen wird gehupt, damit entgegenkommende Fahrer warten und abbiegende Fahrer gewarnt sind. Wenn Menschen am Straßenrand stehen, wird auch gehupt: "Lauf mir bloß nicht vors Auto!". Beim Spurenwechsel auf mehrspurigen Straßen hupen die Taxifahrer, um sich anzukündigen. An Ampeln wird gehupt, wenn es grün wird - damit man auch nicht zu lange wartet, denn Peruaner warten ja sonst auch nie... Zurück in Deutschland genießt man erstmal die Ruhe der Großstadt!

 

Geheimtipp: Der beste Nachtisch im Café La Catalana

 

In Cusco findet man eigentlich überall gutes Essen. Ob es Alpaca-Burger ist, vegetarische moderne Gerichte, traditionelles peruanisches Essen oder ein Kuchen in einem der zahlreichen leckeren Cafés rund um die Plaza. Aber den besten typischen Nachtisch gibt es zweifelslos in dem Café La Catalana. Es hat keine Webseite, es ist von außen unscheinbar, aber es hat die besten Kuchen, Milchshakes, Kekse und Torten, die ich in meinem ganzen Leben gegessen und getrunken habe! Ob Selva Negra, Tres Leches, Alfajores oder andere Köstlichkeiten - einfach die Vitrine bestaunen und auswählen! Das Café La Catalana befindet sich in der Straße Jerusalen, kurz vor der Kreuzung mit der Straße Belen, etwa 20 Geh-Minuten von der Plaza de Armas entfernt.

 

Streets of Cusco
Streets of Cusco

Ich habe zwei Monate in Cusco verbracht. Während dieser Zeit haben die Stadt und ich eine Hass-Liebe aufgebaut. In einem Viertel wunderschön anzusehen, einzigartige Architektur und Inka-Faszination, aber eben auch unglaublich viele Touristen und sehr viele Angebote an die zahlreichen Touristen angepasst. In dem nächsten Viertel findet man ganz andere Ecken, das Alltagsleben der Peruaner, unglaublich nette, gastfreundliche und lustige Menschen, aber auch Müll auf den Straßen - wohin sollen die Leute ihren Müll auch tun, wenn es in der Stadt kaum öffentliche Mülleimer gibt?! - und Frauen, die mit ihrem Kind um 4 Uhr morgens mit dem Kochen angefangen haben und dann den ganzen Tag hinter einem Kiosk sitzen um das Essen zu verkaufen, um über die Runden zu kommen.

 

Aber eins ist sicher: Cusco ist einzigartig, Cusco begeistert und Cusco fasziniert. So sehr, dass ich es für das Bloggerspiel Stadt, Land, Fluss von ferngeweht ausgewählt habe.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Sabine von Ferngeweht (Mittwoch, 08 Juni 2016 09:36)

    Vielen Dank für den schönen Beitrag für mein Stadt-Land-Fluss-Spiel. Da werden Erinnerungen an meine Peru-Reise wach ...

  • #2

    Eva (Montag, 20 Juni 2016 15:28)

    Klingt in jedem Fall, als hättest du eine aufregene Zeit in Cusco gehabt ;-) Schöner Bericht mit netten Insides.

  • #3

    Marit (Dienstag, 21 Juni 2016 14:33)

    Vielen Dank! Ja, eine aufregende Zeit in einer aufregenden Stadt :)

  • #4

    Gudrun (Freitag, 24 Juni 2016 13:37)

    Ich war im Mai in Cusco, leider nur für drei Tage, aber da hätte ich es durchaus länger ausgehalten, ich mochte die Atmosphäre.