Bewusst reisen... und noch mehr erleben

Ich bin ein großer Natur- und Tierliebhaber. Deswegen liegt mir auch viel daran, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und bewusst zu konsumieren. Tourismus ist ein Thema, bei dem die Meinungen auseinander gehen, was Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein angeht. Auf der einen Seite wird behauptet, Tourismus zerstöre die Natur, Landeseinwohner würden ausgebeutet und der Kapitalismus sorge dafür, dass die Originalität des Landes flöten geht. Da erinnere ich mich gerne an das Grundstudium, als wir über Globalisierung sprachen und uns ein Bild gezeigt wurde, auf dem wir ein McDonalds-Restaurant inmitten einer Dschungellandschaft sehen konnten.

Auf der anderen Seite wird behauptet, Tourismus sei gut für Entwicklungs- und Schwellenländer, denn die reichen Gesellschaften bringen Geld ins Land, es wird Infrastruktur errichtet, Arbeitsplätze geschaffen. Ich denke, dass beide Argumentationslinien Wahrheiten enthalten und dass wir als Konsequenz bewusst reisen sollten. Wie ihr die ersten Schritte in Richtung Bewusstes Reisen oder auch Slow Travel gehen könnt, findet ihr in diesem Blogbeitrag.

 

An- und Abreisen

 

Dass Flugzeuge und Autos einen unglaublich hohen CO2-Wert ausstoßen und somit zur Klimaerwärmung beitragen, ist wohl den meisten bekannt. Besser ist es, man nutzt Bus und Bahn für Strecken unter 700 Kilometern. Wer gar nicht auf den Flug verzichten kann (was ich als Fernreise-Liebhaber absolut verstehen kann!), kann einen CO2-Ausgleich verrichten, indem er an Klimaschutzprojekte spendet. Einige Reiseveranstalter haben diese CO2-Kompensationen in ihren Preisen einkalkuliert und unterstützen Klimaschutzprojekte in einem größeren Rahmen. Viele dieser Programme basieren aber auf nicht eindeutigen Berechnungen der CO2-Werte. Wer sich individuell engagieren möchte, kann zum Beispiel an atmosfair.de, myclimate.org oder goclimate.de spenden.

 

Übernachten

 

Bei großen Hotelketten weiß man als Gast natürlich, was man bekommt und kann immer vom gleichen Standard ausgehen. Wie sich das für das angestellte Personal verhält, erfährt man in der Regel aber nicht. Die Arbeitsbedingungen sind natürlich abhängig von den jeweiligen Landesgesetzen und so kann man davon ausgehen, dass das Personal in Deutschland von besseren Arbeitsbedingungen profitiert als das Personal in Bolivien - auch wenn es die gleiche Hotelkette ist. Bei der Wahl der Unterkunft sollten wir versuchen, darauf zu achten, dass faire Löhne gezahlt werden und die Arbeitszeiten menschlich sind. Gute Unterkünfte informieren ihre Gäste über ihr Engagement hinsichtlich Energie und Umwelt und achten auf Abfallvermeidung und -trennung sowie Energie- und Wassersparmaßnahmen.

 

Essen

 

Wer bewusst reist, nutzt bei der Verpflegung regionale Angebote aus. Dazu gehört, dass hauptsächlich Lebensmittel aus dem (ökologischen) Anbau innerhalb des Landes konsumiert und saisongerechtes Gemüse und Obst gegessen werden. Das schont die Umwelt, schafft Arbeitsplätze vor Ort und man entdeckt das Land außerdem wirklich aus Sicht der Einheimischen - schließlich gehört die Landesküche auch zur Kultur des Landes!

 

Vielfalt auf Märkten
Vielfalt auf Märkten

 

Einheimische und ihre Traditionen respektieren

 

Viele Touristen vergessen, dass sie im Reiseland die Ausländer sind und sich möglicherweise an eine andere Kultur anpassen sollten. Traditionell gekleidete Menschen sind für Reisende eine Attraktion, für das Land aber ganz normal. Deswegen verstehen Einheimische auch nicht immer, warum sie (ungefragt) als Fotomodell herhalten sollen. Es gibt Länder, in denen die Menschen sehr empfindlich auf fotografierende Ausländer reagieren und das sollte man unbedingt respektieren. Wenn du unbedingt ein Foto von einem Local machen möchtest, erkläre ihm, wie schön du die landestypische Kleidung findest, lass vielleicht sogar ein Bild von euch gemeinsam machen, um zu zeigen, dass es eine Urlaubserinnerung an dich und das Land sein soll und kein Andenken an eine Touristenattraktion. Spricht man kurz und freundlich mit der Person und zeigt, dass man sich bemüht, ein paar Worte in der Landessprache herauszubringen, wird man ebenfalls viel eher respektiert. Derselbe Respekt sollte anderen typischen Bräuchen und Regeln entgegengebracht werden. Deswegen ist es wichtig, sich vor der Reise über Land und Leute zu informieren.

 

Herumkommen

 

Gerade bei Rundreisen durch ein Land ist ein Mietwagen natürlich der bequemste Weg. Wem macht es schon Spaß, sich in einen völlig überfüllten Bus zu quetschen bei gefühlten 40 Grad und ohne Klimaanlage? Ganz ehrlich - mir schon! Es gibt kaum ein vergleichbar landestypisches Erlebnis wie Bus- und Zugfahrten in fremden Ländern. Hier kommt man schnell mit Einheimischen ins Gespräch, weil man anders aussieht und viele andere Kulturen sehr neugierig sind. Zudem erfährt man viele Gepflogenheiten, von denen man als Tourist bei einer geführten Tour oder in einem Mietwagen nichts mitbekommt. Ich erinnere mich gerne an die Busfahrten in Bolivien, Peru oder Nicaragua, wo schallend laute Musica Latina durch den Bus dröhnt und an jedem Stop Menschen in den Bus springen, die ihre (selbstgemachten) Lebensmittel lauthals anpreisen (die Marktschreie müssen ja die Musik übertönen!). Hätte ich sonst diesen köstlichen Maiskuchen probiert? Hätte ich sonst diese Geschichte zu erzählen?

Also: Auf den Mietwagen verzichten und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen verringert nicht nur euren ökologischen Fußabdruck sondern ist auch ein witziges Erlebnis!

 

Öffentliche Busse in Cusco, Peru
Öffentliche Busse in Cusco, Peru

 

Aktiv sein

 

Reisende wollen immer öfter auch von Aktivangeboten Gebrauch machen - Helikopterrundflüge, Quad-Touren oder ähnliches. In einer spektakulären Umgebung ist das natürlich auch ein Riesenhighlight. Oftmals wird durch solche Aktivitäten aber genau das, weswegen viele Touristen eine Region oder ein Land besuchen, gefährdet - die Natur. Wer von solchen Angeboten profitieren möchte, kann darauf achten, dass die Touristenbüros verantwortungsvoll handeln und ihre Angebote entsprechend umweltfreundlich gestalten.

 

Tiere beobachten

 

Tiere können oftmals nicht selbst entscheiden, welche Distanz die Menschen zu ihrem Lebensraum bewahren. Und noch weniger, ob sie als Touristenattraktion dienen wollen. Deswegen rate ich davon ab, Seaworld, Zoos oder ähnliches zu besuchen, wo Tiere als Geldeinnahmequelle außerhalb ihres natürlichen Lebensraums gefangen gehalten werden. Wenn man ehrlich ist, ist es doch auch viel schöner, Tiere aus der Ferne in der Natur zu beobachten. Denn hier verhalten sie sich auch so wie es ihrem Natural entspricht und nicht so, wie sie von Pflegern oder Dompteuren erzogen wurden.

 

 

Die Reise Revue passieren lassen

 

Anderen Reisenden ist geholfen, wenn wir unsere Erfahrungen mit Anbietern, Hotels und Restaurants auf Internetplattformen teilen. Dabei können natürlich auch Umweltaspekte aufgegriffen werden und besonders ökologisch korrekte Anbieter entsprechend bewertet werden.

 

Habt ihr weitere Tipps, wie man seinen ökologischen Fußabdruck auf Reisen verringert? Schreibt es mir gerne in den Kommentaren!

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Kommentare: 2
  • #1

    Rucksack-Reisen (Donnerstag, 14 April 2016 16:22)

    Schöner Artikel! Hoffe der ein oder andere denkt darüber mal nach bei seiner nächsten Reise. Weiter so!

  • #2

    Darlene Ogilvie (Donnerstag, 02 Februar 2017 02:47)


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