Meine Top 10 To Dos in Santiago de Chile

Am 1. März 2013 war es endlich so weit: Die Reise nach Südamerika sollte beginnen. Den Masterabschluss gerade frisch in der Tasche, aber anstatt sich wie die Kommilitonen auf Arbeitssuche zu begeben, wollte Marit doch lieber die Welt ein bisschen entdecken. Als ich die Reiseplanung begann, hatte ich im Sinn, mich drei Monate aus Europa abzusetzen. Eine neue Sprache, eine neue Tätigkeit, eine neue Welt - das Fernweh wollte gestillt werden. Schnell hatte ich mich für Südamerika entschieden, mit dem Land selbst wurde es schwieriger. Deswegen entschloss ich, mich erstmal nicht auf ein Land festzulegen und dass drei Monate auch viel zu kurz sind und das Rückflugticket buchte ich dann eigentlich auch vor allem aus der Angst davor, sonst nicht einreisen zu dürfen. 

 

Zumindest aber den ersten Stop musste ich festlegen und da es ja möglichst weit weg gehen sollte, fixierte ich mich auf Chile, das Land am Ende der Welt, das Land der Extreme, wo die höchsten Berge Südamerikas nur wenige Kilometer von den schönsten Stränden entfernt sind, wo antarktischer Wind, Schnee und Regen im Süden und Hitze und trockene Wüstenluft im Norden herrschen, das Land, wo Vulkane auf Weinberge treffen, wo man eine moderne Millionenstadt ebenso findet wie kleine Dörfer, die von Ureinwohnern bewohnt werden. Vor allem aber, wie ich schnell feststellen durfte, ein Land mit Menschen, die so nett, humorvoll, gastfreundlich und offen sind, dass man eigentlich nicht wieder weg möchte.

 

 

Die nächsten drei Monate sollte also Santiago de Chile mein Zuhause sein. In diesen drei Monaten habe ich viele Seiten der Stadt kennen gelernt und möchte meine persönlichen Highlights - abgesehen von dem typischen Touristenprogramm wie dem Präsidentenpalast La Moneda, der Catedral auf der Plaza de Armas und dem Mercado Central gerne mit euch teilen. Ich hoffe, ich kann euch ein wenig inspirieren, wie ihr euren Santiago-Besuch bestmöglich nutzen könnt!

 


Spanisch lernen in der Escuela Bellavista

 

Die Escuela Bellavista war meine erste Anlaufstelle als ich nach Santiago gezogen bin. Sie bietet unterschiedliche Programme für egal welche Anforderung du auch hast - Gruppenkurse, Individualkurse, Intensivkurse. Die Lehrer sind alle super motiviert und nett und nach wenigen Tagen Spanischkurs konnte ich mich schon verständigen. Neben den normalen Kursen bietet die Schule auch ein tolles Freizeitprogramm an, um Santiago und die Umgebung mit anderen Spanischschülern zu entdecken. Der ein oder andere Lehrer nutzt die Unterrichtsstunde auch, um nicht nur die spanische Sprache sondern auch chilenische Rezepte - beispielsweise Pisco Sour - "on the job" zu lehren!

 


Kunstausstellungen im Museo Nacional de Bellas Artes

 

Das Museo Nacional de Bellas Artes (an der Metrostation Bellas Artes) war das erste Kunstmuseum Lateinamerikas, als es 1880 eröffnet wurde. Es verfügt über eine große Sammlung von Werken chilenischer und internationaler Künstler und zeigt in separaten Räumen regelmäßig temporäre Ausstellungen. Für Kunstfreunde ein lohnenswerter Ausflug!

 


Artesanos in Los Dominicos

 

Wenn du bis zum Ende der Metrolinie 1 fährst, kommst du nach Los Dominicos im Stadtteil Las Condes am nordöstlichen Rand der Metropole. Hier bekommt man schon fast nichts mehr von den Großstadtvibes mit und es fühlt sich ein bisschen an als wärst du auf dem Land. Wenn du Glück hast, hat es kurz zuvor geregnet, so dass der Smog weggespült und die Sicht auf die schneebedeckten Andenspitzen sichtbar ist. Im Centro Artesanal Los Dominicos kannst du chilenische handgemachte Souvenirs ("Artesanias") shoppen - oder einfach durch die kleinen Lädchen bummeln, in denen du sämtliche selbstgemachte Produkte aus Holz, Textilien, Silber und anderen Metallen und Stoffen findest,  und die Atmosphäre genießen. 

 


Sonnenuntergang vom Cerro San Cristobal

 

Der Cerro San Cristobal ist ein Hügel im Stadtteil Bellavista. Natürlich geht es recht steil bergauf, wenn man sich für den Fußweg entscheidet, aber der Panoramablick über die Stadt ist einzigartig. Mein Tipp für dich: Laufe nachmittags los, so kannst du von oben den Sonnenuntergang hinter den Bergen und dann die Nachtlichter genießen. Wenn du mit dem Fahrrad hochfährst, hast du auch ein kleines Workout im Programm!

 


Empanadas und Alfajores auf dem Mercado La Vega in Patronato

 

"Patronato ist, wie man sich Südamerika in Deutschland vorstellt" - das wird dann besonders spannend, wenn man sonst noch nichts von Südamerika gesehen hat und sich nur in Las Condes, Bellavista und Providencia in der Stadt bewegt. Patronato ist anders - laut, staubig, billig, dreckig, voller streundender Hunde, mit kleinen Straßenbuden, die Empanadas verkaufen. In Patronato gibt es eine riesige Markthalle, der Mercado La Vega, in der du alles findest, was dein Magen begehrt und noch einiges mehr. Neben der Markthalle (auf der anderen Seite der Metrostation Patronato) beginnt ein Straßenmarkt, auf dem man dann alles Nicht-Essbare findet wie Kleidung, Schmuck und noch viel mehr. Am vorderen Eingang der Markthalle (in der Straße Antonia López de Bello) gibt es einen kleinen Verkaufsstand, an dem man Kaffee und Kekse bekommt - hier habe ich die besten Alfajores (zwei Kekse mit Dulce de Leche in der Mitte und Schokoladenüberzug) gegessen.

 


Action und Natur im Cajon del Maipo

 

Der Cajon del Maipo ist ein Naturpark außerhalb Santiagos, der sich wunderbar dafür eignet, einen oder mehrere Tage Auszeit vom Großstadtdschungel zu nehmen. Du erreichst ihn, indem du mit der Metro 5 bis zur Station La Florida fährst. Von dort kannst du einen Bus  nach San José de Maipo oder alternativ ein Colectivo (Sammeltaxi) nehmen. Wir waren eine kleine Gruppe und haben zwei Colectivos besetzen können, somit konnten wir mit den Fahrern aushandeln, dass sie uns für einen guten Preis bis zur gewünschten Station bringen. Vor Ort gibt es unzählige Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten - viele offerieren kleine Hütten mit Küche und Bad und natürlich einem Grill für unterschiedliche Gruppengrößen. Aber auch Tagesausflüge lohnen sich - zum Raften, zum Canopy, zum Wandern oder auch zum Ausreiten. Die tolle Landschaft lässt sich auf vielerlei Art und Weise entdecken!


Dinner im Barrio Lastarria

 

Das Barrio Lastarria ist eines der schönsten Viertel von Santiago. Mit Kopfstein gepflasterte Gassen schlängeln sich durch das Barrio und man vergisst, dass man sich mitten in der Millionenstadt befindet. In Lastarria findet man unzählige Restaurants, die sich gut für ein schöneres Abendessen eignen. Hier sind die Restaurants aber auch ein kleines bisschen teurer.


Ein Stück chilenische Geschichte schnuppern im Rincon de los Canallas

 

Auch in Zentrum (Metrostation Santa Lucia oder Universidad de Chile, Kreuzung der Straßen San Francisco mit Tarapacá) liegt das Restaurant Él Rincon de los Canallas. Der Name lässt sich etwa übersetzen mit "Die Ecke der Schurken". Hier findest du nicht nur typisch chilenisches Essen sondern vor allem viel chilenische Geschichte. Das Lokal wurde in den 80ern von Victor Painemal Martinez gegründet, als es in Zeiten der Pinochet-Diktatur verboten war, sich nach Sonnenuntergang mit mehr als drei Personen zu treffen. Martinez wollte sich aber weiterhin mit seinen Freunden zum Dominospielen treffen und so kam es, dass er sie heimlich in sein bestehendes Restaurant auch nach Einbruch der Dunkelheit einlud, sie mit Essen versorgte und alle gemeinsam mit wenig Licht im Verborgenen beisammen sein konnten. Die Männer brachten ihre Freunde und Freunde von Freunden und so entstand ein Treffpunkt für jene, die sich mit Pinochets Gesetzen nicht abfinden wollten - "Canallas", wie sie von der Regierung genannt wurden. Martinez wurde entdeckt, sein erstes Restaurant brannte ab, aber er ließ sich nicht aufhalten und schuf weitere Orte, an denen sich getroffen werden konnte.

Heute darf man sich natürlich wieder treffen, aber ein verruchtes Ambiente hat das Lokal dennoch. Wenn man sich vor Augen führt, dass diese Zeit der Diktatur noch gar nicht lange vorbei ist, läuft einem glatt ein Schauer über den Rücken...

 


Die Wirkungen eines Terremoto spüren in der Bar The Clinic

 

Die Bar The Clinic (Metrostation Bellas Artes) ist auf jeden Fall einen Besuch wert - ob mit Terremoto oder ohne. Aber mit ist es noch besser. Das typisch chilenische Getränk (im Gegensatz zum Pisco Sour gibt es auch keinen Herkunftsstreit mit Nachbarländern) ist ein Cocktail aus süßem Wein, Ananaseis und Granatapfelsirup und gibt es auch in unterschiedlichen Variationen (beispielsweise mit frischer Papaya) in der Bar The Clinic. Super lecker und schnell merkt man dann, warum das Getränk übersetzt Erdbeben heißt. Das Essen ist hier übrigens auch zu empfehlen!

 

The Clinic ist übrigens eine chilenische Satirezeitung, was sich auch in der Bar widerspiegelt!

 


Night out im Barrio Bellavista

 

Bellavista ist das Szeneviertel im Stadtteil Providencia. Hier findet das Leben vor allem nachts statt, rund um die Straße Pio Nono. Restaurants, Bars und Clubs reihen sich aneinander, Studenten und Austauschstudenten, Chilenen und Internationals, Einheimische und Touristen - Bellavista ist der nächtliche Treffpunkt in Santiago. Ob Reggeaton und Salsa, Electromusik oder Charts, hier kommt jeder auf seine Kosten. Wenn du alles an einem Abend mitnehmen willst und Lust hast, feierwütige Leute kennenzulernen, dann empfehle ich dir den Pub Crawl Santiago.

 


Ein Completo als Mitternachtssnack nach einer durchtanzten Nacht

 

Was ist besser, als ein Döner nach einem Bar- oder Clubbesuch, um die weggetanzten Kalorien zu kompensieren? Ein Completo - die chilenische Interpretation eines Hot Dog. Mit Completo hat er seinen Namen verdient: Außer dem Würstchen befinden sich nämlich außerdem Tomaten, Guacamole, Ketchup und Mayo zwischen den Brötchenhälften... das Essen wird dann also noch zu der großen Herausforderung der Nacht!

 


Wart ihr schon einmal in Santiago? Wie hat es euch gefallen? Welche Insider-Tipps habt ihr noch auf Lager?

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