Roadtrip durch den Norden Spaniens

 

Um Abenteuer zu erleben, muss man gar nicht immer so weit reisen. Wunderschöne Wanderwege, traumhafte Sandstrände, tolles Essen und freundliche Menschen trifft man auch in Europa, zum Beispiel im Norden Spaniens! Hier wollte ich mich mit meiner kanadischen Freundin Tiff treffen, die ich ein Jahr zuvor in Peru kennengelernt hatte.

Unser Plan war wie folgt: Wir treffen uns in Bilbao. Dort buchen wir uns einen Mietwagen, mit dem wir nach San Sebastian fahren, einer kleinen Studentenstadt mit besten Anfängerwellen zum Surfen. Nach ein paar Tagen Sonne, Strand und Surfen geht es weiter nach Pamplona, von wo aus man tolle Ausflüge unternehmen kann. Ein paar Tage in Santander wollten wir dann für weitere Surfversuche und Wandern im Nationalpark Picos de Europa nutzen. Eine letzte Nacht und ein letzter Tag in Bilbao sollte das Kulturprogramm vollenden.

 


 

San Juan de Gaztelugatxe

 

Eine dreiviertel Stunde nördlich von Bilbao entfernt (etwas mehr als 30 Kilometer) befindet sich die kleine Burgruine San Juan de Gaztelugatxe. Von der Straße geht ein recht großer Parkplatz ab, auf dem man kostenlos parken kann. Der Parkplatz ist der Ausgangspunkt für den Spaziergang zu der Burg. Man folgt einem kleinen Fußweg etwa eine dreiviertel Stunde, zunächst geht es recht lang bergab, zur Burg hoch sind dann allerdings einige Treppenstufen zu bewältigen. Aber schon der Weg hält Aussichtsplattformen bereit, die eine Panoramaaussicht über die Atlantikküste und somit phenomenale Foto-Hotspots bieten. Wenn du die Gelegenheit hast, von Bilbao einen Tagesausflug zu unternehmen, oder sowieso mit dem Auto zwischen Bilbao und San Sebastian unterwegs bist - nutze sie, es lohnt sich!

 

 

Sandstrände, Surfen, Studentenflair - San Sebastián

 

San Sebastián ist im Sommer voller Touristen aus Europa und der Welt, die die gemütliche spanische Atmosphäre der Stadt genießen wollen. Die Altstadt ist gesäumt von kleinen Gässchen, in denen sich eine Tapasbar an die nächste reiht. Doch Moment, im Baskenland heißt das Fingerfood gar nicht Tapas, sondern Pintxos (gesprochen Pintschos). In vielen Bars gibt es Angebote für zwei Pintxos und einem Glas Wein für 2 Euro - das sollte man sich nicht entgehen lassen. Das typische Abendprogramm in San Sebastián sieht also vor, von Bar zu Bar zu ziehen, unzählige Gläser Wein und Pintxos zu probieren und die warme Abendluft zu genießen. Der Trubel spielt sich hier nämlich nicht in den Bars sondern meist davor ab. Kann man irgendwann keine Pintxos mehr sehen und möchte man ein paar Euros sparen, kann man auch problemlos eine Flasche Sangria und Plastikbecher in einem der kleinen Mini-Supermärkte kaufen und sich den Menschenmassen in den Gassen anschließen.  

 

Tagsüber steht für viele ein Surfkurs auf dem Programm. Ja, für viele. Für sehr, sehr viele. Als ich dort war, waren gefühlte eine Million andere Surfanfänger in der kleinen Bucht. San Sebastián hat zwei Strände: La Concha, direkt bei der Altstadt für Schwimmer und Zurriola, auf der anderen Seite des Flusses für Surfer. Voller Vorfreude, wieder das Brett unter den Füßen zu spüren, buchten Tiff und ich uns einen Surflehrer zu zweit für einen Vormittag. Leider war aber tatsächlich so viel los im Wasser - auch sehr viele Surfschulen, die vormittags Gruppenkurse haben - dass man kaum Gelegenheit hatte, das Surfen zu üben. Gerade wenn ich eine Welle ausgespäht hatte, mich umdrehte und anfing zu paddeln, tauchte ein Kind mit Bodyboard oder ein anderer Surfanfänger direkt vor mir auf. Und so gingen die Wellen dahin, eine nach der anderen, und mit ihnen die Möglichkeiten, sie zu reiten.

Mein Tipp fürs Surfen in Nordspanien: Somo bei Santander (siehe ein paar Zeilen weiter unten) oder fahre ein paar Kilometer nach Frankreich rein, nach Biarritz.

 

Für etwas Bewegung außerhalb des Wassers ist ein Spaziergang auf den Monte Urgull zu der Cristo-Figur super geeignet. Bis man oben ist, braucht man etwa eine Stunde, mit diversen Foto-Stops natürlich etwas länger. Von oben hat man einen wunderbaren Rundumblick über San Sebastián (ich liebe ja Aussichtspunkte mit Panaroma-Views). Die Burg, die sich oben befindet, wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet - die kleine Wanderung ist also auch ein kulturell lohnenswerter Ausflug. 

 

 

 

Pilgerzentrum und Märchenwald in und um Pamplona

 

Ein weiteres absolutes Muss für die Besucher Nordspaniens ist Pamplona in der Region Navarra, Pilgerstadt und gute Basis für diverse Ausflugsziele. Empfehlenswert für ein kleines Budget ist das Aloha Hostel. Eine tolle Terrasse lädt zu einem Drink unter Sternen und einem Frühstück in der Morgensonne ein.

Von Pamplona aus ist es ein kurzer Weg bis zu Spaniens Geheimtipp: der Weg durch einen Märchenwald zum Nacedero Urederra. Der Nacedero selbst ist die Quelle eines Flusses - ein wunderschöner Platz, an dem man nach einem Marsch verweilen und picknicken kann. Der Wanderweg selbst ist allerdings nicht weniger schön, durch einen Wald geht es entlang des Flusses bergauf. Das Flusswasser sammelt sich diverse Male in kleineren und größeren Pools, bevor es in kleinen Wasserfällen weiter bergab läuft. Und hier findet man ein wieder einmal vor, wie toll sich die Natur ausdrücken kann: Das Wasser ist unfassbar türkis und verleitet dazu, ständig anzuhalten und es zu bestaunen. Der Weg ist nicht besonders anstrengend, in etwa zwei Stunden ist man oben angekommen. Mit dem Auto ist der Nationalpark Parque Natural de Urbasa-Andia gut erreichbar, einen Parkplatz findet man in Baquedano. 

 

 

Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, solltest du auf dem Rückweg auf jeden Fall einen Abstecher nach Puente la Reina machen - einer der schönsten Orte auf dem Jakobsweg. Pilger können sich gleich zwei Stempel hier abholen, es lohnt sich aber auch, die zwei Kirchen, Iglesia de Crucifijio und die Iglesia Santiago, als Nicht-Pilger zu besichtigen, durch die kleinen Gassen zu schlendern und die Ruhe aufzusaugen, die das verschlafene Dorf ausstrahlt. 

 

 

Rioja: Zwischen Weinfeldern und in Weinkellern

 

Wer Wein mag, dem wird es in Nordspanien gefallen. Wer Rioja mag, wird Nordspanien lieben. Ich habe in Rioja meine Liebe zu den Tempranillo-Trauben entdeckt. Eines der ältesten, größten und imposantesten Weingüter in Rioja ist Marqués de Riscal in Elciego, das übrigens auch als Hotel mit Wein-Spa-Angebot fungiert (gar nicht so eine schlechte Idee, nach dem Tasting in eines dieser Betten zu fallen). Es wurde 1858 gegründet und 2013 von dem Magazin WineEnthusiast als bestes europäisches Weingut ausgezeichnet. Bei der Führung über das Weingut, entlang der Weinfelder und durch die Weinkeller erfuhren wir einiges über die Geschichte des Unternehmens, die Produktion von Wein und über die unterschiedlichen Trauben- und Rioja-Sorten. Die Führung endete mit einer Verkostung von zwei Rot- und zwei Weißweinen, nach denen wir uns in dem zugehörigen Shop schnell verleiten ließen, ein paar Flaschen mitzunehmen. 

 

Ein anderes architektonisch imposantes Weingut ist die Bodega Ysios bei Guardia. Leider waren die Führungen auf englisch hier schon ausgebucht, so dass wir das Gebäude nur von außen bestaunten und die Schönheit der Weinfelder bei einem Spaziergang genossen. Ein Tipp also für die Besichtigung der Bodegas: Wenn du sicher bist, dass du eine Führung mitmachen möchtest, buche sie im Vorfeld. So ist man auf der sicheren Seite.

 

Während der Autofahrt zwischen den Weinfeldern hat man übrigens oftmals eine ganz tolle Aussicht über die Landschaften. Viel zu selten findet man allerdings Haltebuchten, die einen Foto-Stop ermöglichen. 

 

 

Nebelschwaden in den Picos de Europa und Surfen in Somo, Santander

 

Wenn dich bei den kleinen Wanderungen in Navarra und im Baskenland die Hiking-Lust gepackt hat, dann solltest du auch noch den Nationalpark Picos de Europa besuchen. Tiff und ich freuten uns riesig auf einen ausgiebigen Hike, bei dem wir endlich auch mal außer Puste kommen und machten uns früh morgens auf dem Weg zum Nationalpark. Mit dem Auto fuhren wir bis nach Covadonga und nahmen von dort aus einen Bus, der uns noch ein Stück weiter hoch in die Berge brachte. Ein großes Pech erwartete uns allerdings oben, bereits beim Aussteigen aus dem Bus ahnten wir, dass wir an jenem Tag nicht viel von der tollen Landschaft sehen würden. Tiefe Wolken hingen im Gebirge und die Parkverwalter erklärten uns, dass fast alle Wanderwege gesperrt sind. So konnten wir also wieder nur eine kleine Wanderung unternehmen, bei der uns auch die traumhaften Ausblicke im Nebel verborgen geblieben sind. Wenigstens am See Lago de Enol konnten wir etwas Sicht auf Wasser und Berge erhaschen und legten hier unsere Picknickpause ein. Wenn ich noch einmal in den Norden Spaniens reisen sollte, werde ich dem Park aber auf jeden Fall eine zweite Chance geben - denn das, was man erahnen konnte, versprach großartiges! 

 

 

In dem kleinen Örtchen Somo, direkt bei Santander, hat der Italiener Dario das Surfer-Hostel SURFtoLIVE aufgemacht. Dieses kleine, etwas chaotische aber sehr charmante Haus befindet sich nur wenige Gehminuten entfernt vom Strand - einem Strand, an dem keine dreiundsiebzig Surferschulen ihre Anfänger schulen, die Wellen allerdings etwas höher sind. Die Atmosphäre in dem Hostel ist genau so, wie man sich ein Surfer-Hostel vorstellt. Wer sich Ruhe, Luxusbetten und Ordnung wünscht, ist hier falsch. Schnell wird man aber in die kleine familiäre Gemeinschaft aufgenommen und schnell hat man auch einige erfahrenere Surfer kennen gelernt, die einem bei dem gemeinsamen sportlichen Tagesausklang hilfreiche Tipps geben können. Und das Surfen am Abend hält nicht nur die besten Wellen des Tages sondern ebenso einen phänomenalen Sonnenuntergang bereit. Mit einem kribbelnden Glücksgefühl im Sonnenuntergang doch noch einige Erfolgserlebnisse aus der Spanienreise mitnehmen - was gibt es schöneres...

 

Kunst und Kultur in Bilbao

 

Wer einen Fabel für Kunst hat, darf sich das Guggenheim-Museum in Bilbao nicht entgehen lassen. Natürlich imponiert es schon von außen, ähnlich überwältigend wie das Guggenheim in New York. Die Kombination aus Dauer- und externen Wanderausstellungen bietet viel Abwechslung. Knausrige Kunstbanausen sollten das Gebäude zumindest von außen begutachten, denn auch hier findet man interessante Ausstellungsstücke wie die Spinnenskulptur Maman von Louise Bourgeois und den überdimensionalen Blumenhund Puppy von Jeff Koons. Die Zwillingsskulptur von Maman steht übrigens vor der National Gallery of Canada in Ottowa. 

 

Das Leben in Bilbao spielt sich im "Casco Viejo" ab, der Altstadt von Bilbao. Ähnlich wie San Sebastián ist das Viertel durchzogen von kleinen Gassen, in denen man hervorragend sein Urlaubsbudget in kleinen Boutiquen ausgeben oder auch von einer Pintxos-Bar in die nächste stolpern kann. Beim Spaziergang durch Bilbao darfst du das Casco Viejo auf keinen Fall auslassen! 

Die Backpacker in Bilbao treffen sich im Hostel Ganbara, wo die Zimmer zwar klein sind, aber die Gemeinschaftsräume super gemütlich und die Küche groß genug, dass auch die Nudeln aus dem hauseigenen Essensautomaten hier gekocht werden können! 

 

Filmtipp

 

Für alle, die mehr über das Baskenland wissen möchten, mein Filmtipp: "Ocho apellidos vascos" (2014, deutsch: "8 Namen für die Liebe") von Emilio Martínez-Lázaro, stellt mit viel spanischem Humor dar, wie gerne die Basken unabhängig vom Rest Spaniens wären und wie sich ihre Kultur von der "spanischen" unterscheidet - da bleibt kein Auge trocken!

 

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