Tierisches Paradies: Galapagos

Die Galapagos-Inseln - das war der Traum, das Highlight der Südamerika-Reise, worauf meine Freundin und ich hinfieberten. Ein paar Tage Paradies, einsame Strände, Schildkröten und Seehunde, Vulkane und Natur und Pinguine - es konnte nur großartig werden! Der Flug von Guayaquil aus ging so schnell um, bis wir aus dem Fenster das türkisblaue Wasser und die grünen Inseln erspähten. Der Flughafen befindet sich auf der Insel Baltra, unser erstes Ziel war der mit 15.000 Einwohnern größte Ort des Galapagos-Archipels Puerto Ayora im Süden der Isla Santa Cruz, die direkt neben der Insel Baltra liegt.

 

Der Transport sollte also kein Problem sein, ein Bus fährt einmal über die Insel und setzt uns in dem Hafenort ab - so der Plan. Vom Flughafen aus ging es erstmal ein kleines Stück mit einem Transporter, dann ein kleines Stück mit einer Fähre, auf welcher unser Gepäck ungesichert auf dem Dach mitfahren durfte während wir es schon vor unserem inneren Auge im pazifischen Ozean untergehen sahen, und dann ging es weiter mit dem Bus. Typisch südamerikanisch war der Bus a) total überfüllt und b) viel zu niedrig für deutsche große Frauen. Gekrümmt und eingequetscht stand ich also im Gang. Bis auf einmal der komische Geruch nach verbranntem Motor durch den Bus zog. Kurze Zeit später war der Busfahrer vor lauter Rauch ganz benebelt, konnte nichts mehr sehen und musste den Bus anhalten. Na super, dann machen wir doch erstmal eine kurze Pause...

 

Keiner wusste nun, wie es weitergeht. Wird der Bus repariert? Kommt ein anderer Bus? Gibt es überhaupt einen anderen Bus auf der Insel? Nun ja, warten war auf jeden Fall eine Sache, die ich ja schon auf dem Kontinent gelernt hatte. Nach etwa einer Stunde kam dann tatsächlich ein anderer Bus, in den wir so schnell wie möglich hereinsprungen, um noch einen Sitzplatz zu ergattern und der uns dann heile nach Puerto Ayora brachte. 

 

Das Gepäck fährt wie so oft in Lateinamerika auf dem Dach mit
Das Gepäck fährt wie so oft in Lateinamerika auf dem Dach mit
Kurzer Zwischenstopp wegen Motorschaden
Kurzer Zwischenstopp wegen Motorschaden

 

Viele Reiseagenturen bieten Kreuzfahrten zwischen den Galapagosinseln an, so dass man möglichst viele verschiedene Inseln besuchen kann. Die Preise für diese Kreuzfahrten liegen aber schnell im vierstelligen Bereich für eine Woche, daher schlossen wir das für unsere Planung von vorneherein aus. Wir wollten ein paar Tage auf Santa Cruz verbringen, dann mit einem Boot auf die Isla Isabela fahren, dort noch ein paar Tage bleiben und dann eine weitere Nacht auf Santa Cruz vor dem Rückflug verbringen. Zwar sind auch die Überfahrten zwischen den Inseln schweineteuer (damals 20 Dollar pro Fahrt plus das Wassertaxi, was zwischen Anlegeplatz und Boot fährt) aber insgesamt ist das auf jeden Fall die günstigere Lösung. Und ich habe auch nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben weil wir nicht auf allen Inseln waren - würde es also auch jedem so empfehlen!

 

 

Tour de Bahia

 

Beim Schlendern durch das Örtchen fanden wir schnell ein nettes Reisebüro, das von Vater und Sohn geführt wurde. Die beiden konnten uns recht schnell überzeugen, die Tour de Bahia mit ihnen zu unternehmen: eine Bootsfahrt, bei der man etwas um Santa Cruz herumfährt, vorgelagerte Robbeninseln passiert, die Inseln vom Wasser aus beobachten kann und an Plätzen hält, die man nur mit dem Boot erreicht und wo man ein wenig Spazieren gehen kann.

Schon auf dem Weg zum Boot und dann aber vor allem auch während des Trips durften wir erleben, wie die einheimischen Seelöwen im Einklang mit den Einwohnern leben und wie viele tolle Tiere sich außerdem hier tummeln: Pelikane, Rochen, Blaufußtölpel mit ganz blauen Füßen und Rote Klippenkrabben an allen Steinen und Klippen zum Beispiel. Und - nicht zu vergessen - Iguanas, zu deutsch Leguane, die auch einfach üüüüüberall sind. Die Galapagos-Leguane ernähren sich von Algen, obwohl sie an Land leben. Da sie beim Fressen der Algen immer Wasser mit aufnehmen, müssen sie das an Land wieder ausstoßen und somit kann man sie wunderbar dabei beobachten, wie sie das Wasser aus ihren Nasenlöchern herausschleudern - eine sehr witzige Angelegenheit!

Wir besichtigten die Playa Amor und den "Hundestrand" und kamen nach einer kleinen Wanderung zu einer Lagune, umgeben von Felsen, in der wir baden konnten. Ein paar verrückte Einheimische sprangen von den circa zehn Meter hohen Felsen ins Wasser - so mutig war ich allerdings nicht...

 

Die Seelöwen machen es sich überall gemütlich
Die Seelöwen machen es sich überall gemütlich
Durch die Nasenlöcher spuckender Iguana
Durch die Nasenlöcher spuckender Iguana

 

Tortugas

 

Zu recht sind die Galapagos-Inseln für ihre Riesenschildkröten bekannt. Die wollten wir natürlich auch sehen und fuhren einen Nachmittag ins Landesinnere der Insel. Schon von dem Weg aus kann man die faszinierenden Tiere beobachten, wie sie zuerst wirken wie Steine, die sich langsam bewegen. Und dann sind sie aber wirklich zahlreich und überall: in kleinen Sumpflöchern, auf den Wiesen, auf den Wegen. Und sie bewegen sich mit einer Ruhe, dass du denkst, die Zeit könnte auch stehen geblieben sein. Das müsste man mal auf unsere hektischen Menschen in Europa übertragen... oder zumindest könnten sie sich eine kleine Scheibe davon abschneiden. Um die Tiere nicht zu stören, soll man sich nicht von vorne nähern und einen Abstand von einigen Metern bewahren.

Am Parkplatz gibt es bei einem Restaurant auch eine kleine Ausstellung mit Informationen zu den Tieren und Panzern von bereits verstorbenen Schildkröten, mit denen man allen möglichen Quatsch machen kann wie zum Beispiel selbst hineinklettern - was uns unser 20-jähriger Guide zu unserer Belustigung vormachte!

 

Ganz in der Nähe befindet sich der fast zwei Kilometer lange Lavatunnel, der sich ebenfalls besichtigen lässt. Der Lavatunnel ist teilweise bis zu zehn Meter hoch und ein nahezu einzigartiges Naturereignis. Das Hochland der Insel Santa Cruz ist geprägt nicht nur von den diversen Pflanzenarten sondern auch von den Vulkanen. Wir stoppten also außerdem noch kurz am Kraterrand der Zwillingsvulkane. Da das Wetter aber an diesem Tag nicht so wollte wie wir, verweilten wir nicht besonders lange, sonst wären wir vermutlich erforen.

 

La tortuga gigante
La tortuga gigante
Nebelkrater auf Santa Cruz
Nebelkrater auf Santa Cruz

 

Isla Isabela

 

Die zweistündige Überfahrt zur Isla Isabela morgens um 7 Uhr war mit Abstand die schlimmste Bootsfahrt, die ich je erlebt habe. Das Speedboat peitschte über die morgendliche See während wir Passagiere in einer halboffenen Kabine mit wenig Sicht nach draußen, dafür mit dicken und zu engen Sicherheitswesten aneinandergedrückt saßen wie Sardellen in der Dose. Die ersten standen relativ schnell auf und machten sich auf den Weg zur Rehling. Mit geschlossenen Augen hielt ich durch und zwang mich dazu, mich so wenig wie möglich zu bewegen, damit die Seekrankheit nicht schlimmer wurde. Nach zwei Stunden hatten wir es geschafft und waren auf der flächenmäßig größten der Galapagos-Inseln angekommen.

 

Auf Isabela gibt es eine Schildkrötenaufzuchtstation, die man nach einem wunderschönen Spaziergang mit ein paar Leguan-Begegnungen durch die einsame Natur der Insel findet. Auf der "Centro de crianza de tortugas gigantes" leben knapp 1.000 Schildkröten jeden Alters. Die Schildkröten werden hier großgezogen und später in die Natur entlassen um den Artenbestand sicherzustellen. Auf einer riesigen Anlage sind die Schildkröten mit Altersgenossen jeweils zusammen in Gehegen untergebracht. Von frisch geschlüpften bis zu schon größeren findet man wirklich alles vor. Das schöne hier ist - man kann die Crianza auf eigene Faust erkunden und zahlt auch keinen Eintritt. Wir waren auch weit und breit die einzigen Menschen, die sich in diesem Teil der Insel rumtrieben.

 

Ein weiterer toller Ort auf Isabela ist die "Concha de perla", die man vom Hafen aus innerhalb eines 30-minütigen Spaziergangs erreicht. In der Bucht kann man schnorcheln, schwimmen oder einfach die Tiere aus der Ferne beobachten. Hier haben wir auch unseren ersten Galapagos-Pinguin entdeckt - der im Wasser schwimmend allerdings eher aussah wie eine Ente - und natürlich Wasserschildkröten, die sich gerne in die kleine Bucht verirren.

 

Weg zum Centro de crianza
Weg zum Centro de crianza
Schlafende Seelöwen hier und da
Schlafende Seelöwen hier und da
Gemeinsames Sonnenbaden
Gemeinsames Sonnenbaden

 

Wir entschieden uns aber für einen anderen Ort zum Schnorcheln, wo wir auch erstmal mit dem Boot hinfuhren. Vorher besuchten wir noch die kleine vorgelagerte Insel Las Tintoreras, auf der vor allem Leguane zuhause sind. Auf dem Weg über die Insel kamen wir an einer kleinen Bucht vorbei, die von Haien bewohnt wird. Von oben konnten wir hinabblicken und ihnen zuschauen. Aneinandergereiht lagen sie im Wasser als würden sie schlafen. Lediglich einer schwomm etwas hin und her, er war offenbar der Aufpasser für die anderen.

Nachdem wir noch ein paar Leguan-Überreste passiert hatten, freuten wir uns auf den nächsten Stopp, von wo es zum Schnorcheln ging. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich schnorchelte. Wasserschildkröten und Seelöwen schwommen elegant unter uns durch, ein paar bunte Fische zeigten sich und ein großer blauer Seestern leuchtete uns vom Meeresboden entgegen! Es ist eine ganz andere Welt, die Unterwasserwelt. Die Farben, die Ruhe - alles scheint das komplette Gegenteil zu sein von unserem Leben an Land.

 

Wir genossen die Zeit auf der Insel ohne viele Touristen um uns herum, bei leckerem Fisch in einer exotischen Kokosnusssauce, bei Spaziergängen an den langen Sandstränden und bei Gesprächen mit dem ein oder anderen Reisenden, der uns zu einem Segeltrip Richtung Neuseeland einlud. Wir genossen solange bis wir abends feststellten, dass wir kaum noch Bargeld bei uns hatten - dann kam der kleine Schock! Denn auf Isabela gibt es zwar eine Bank, die aber nur tagsüber geöffnet hat und auch nicht immer sicher ist, dass man tatsächlich auch Geld bekommt. Aber gut, das Bootticket war bereits bezahlt, also mussten wir uns nur beim Abendessen etwas einschränkten. Am Tag der Überfahrt verzichteten wir aufs Frühstück, wir kramten gerade so noch 2 Dollar für das Taxi zusammen. Als wir im Taxi Richtung Hafen saßen, fiel uns allerdings wie Schuppen von den Augen, dass wir auch das Taxiboot noch finanzieren mussten! Wir hatten ein tierisches Glück, als wir am Hafen auf unsere Bekanntschaft Sabine vom Vorabend trafen, die uns freundlicherweise Geld in die Hand drückte. Wie erleichtert und dankbar wir waren und wie wir uns freuten, dass man doch öfter als man denkt auf so nette Menschen trifft, die einem ohne jegliches Zögern aushelfen! Danke Sabine!!

 

Blaufußtölpel, die Rote Klippenkrabbe und Galapagos-Pinguine <3
Blaufußtölpel, die Rote Klippenkrabbe und Galapagos-Pinguine <3
Haibecken
Haibecken

 

Tortuga Bay und ein platter Reifen

 

Zurück in Santa Cruz hatten wir uns noch Tortuga Bay als Ausflugsziel vorgenommen. Nachdem wir also unsere Bankkonten geleert und die Geldbeutel wieder gefüllt hatten, machten wir uns auf den Weg. Der Weg von Puerto Ayora zur Tortuga Bay ist 2,5 Kilometer lang und führt durch einen dichten Kakteenwald. An der Bucht angekommen, erwarteten uns zwei wunderschöne Sandstrände umrahmt von Mangroven und kaum andere Touristen. Hinter der zweiten Bucht, Playa Mansa, liegt eine nicht zugängliche Dünenlandschaft mit saisonal zahlreichen Schildkrötengelegen.

 

Am letzten Tag auf den Galapagos-Inseln liehen wir uns Mountainbikes in einem der vielen Shops in Puerto Ayora aus und wollten zum Strand Playa Garrapatero radeln. Die 22 Kilometer lange Strecke geht erst einmal recht lange moderat bergauf, an der Hauptstraße der Insel entlang. Dann bogen wir rechts ab auf nicht mehr asphaltierte Straßen und relativ hügelig ging es weiter. Wie es unser Schicksal so wollte - auf einmal hatten wir einen Platten. Glücklicherweise hatten wir einen Ersatzschlauch von dem Fahrradverleih mitgegeben bekommen. Darauf sollte man immer achten beim Fahrräderausleihen, denn gerade in solchen Gebieten kann es sein, dass die Reifen spröde sind und eine längere Tour nicht mehr mitmachen. Das war nun also wieder ein erstes Mal: Wir hatten beide noch nie vorher einen Fahrradschlauch gewechselt! Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten wir den Dreh aber bald raus. Allerdings mussten wir ziemlich belustigend ausgeschaut haben. Ein Auto voller Inselbewohner fuhr an uns vorbei, wurde langsamer und stoppte neben uns. Einer der Jungs lehnte sich aus dem Fenster und fragte, ob alles ok sei. Nachdem wir halb hilflos, halb selbstbewusst antworteten "Si, si, todo bien!", holte er seine Kamera raus und schoss ein Foto von uns! Wir konnten kaum reagieren und sie waren schon wieder weitergefahren! Verwirrt schauten wir uns an und fragten uns, ob wir so dämlich fotografierenswert aussahen... Jedenfalls hatten wir den Reifen bald auch gewechselt und weiter ging's!

 

Wir kamen an einem weiteren einsamen Strand an. Wo waren eigentlich diese ganzen Touristen, die im Flugzeug saßen? Naja, nicht so wichtig - Hautpsache, wir können die Ruhe genießen! Und das taten wir. Ein letztes Mal Inselstrand, ein letztes Mal feiner Sand zwischen den Fußzehen, ein letztes Mal Pelikanen beim Fischen zuschauen und ein letztes Mal Meersalz auf der Haut spüren...

 

Zwar wollte das Wetter während unserer Galapagos-Woche nicht so richtig mitspielen. Aber diese unglaublich vielen verschiedenen Tiere und Pflanzen, die Ausgeglichenheit und der Humor der Inselbewohner, die Vulkanlandschaften - all das macht die Galapagos-Inseln zu einem einzigartigen Reiseziel.

 

Marit bei ihrem ersten Fahrradreifenwechsel
Marit bei ihrem ersten Fahrradreifenwechsel
Tortuga Bay
Tortuga Bay

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