Salar de Uyuni - Salz, wohin das Auge reicht

Wenn ich an Bolivien denke, denke ich zunächst einmal an atemberaubende Landschaften und Extreme. Vor allem extrem kalt und extrem trocken. Die dreitägige Tour von San Pedro de Atacama in Chile nach Uyuni in Bolivien ist die einzige Möglichkeit, die Grenze zwischen den beiden Ländern ohne ein eigenes Fahrzeug zu überqueren, Busse verkehren hier nicht. Wo auch - wir sind den größten Part ja nicht mal auf Straßen gefahren... Der Trip über die Grenze hält ein einmaliges Naturerlebnis bereit: den Salzsee Salar de Uyuni.

 

Die Tage vorher waren spannend, es war Winter und im bolivianischen Hochland, im Altiplano, lag Schnee. Das fand ich schon mal sehr ungewöhnlich für die angeblich trockenste Wüste der Welt. Nun ja, das Klima brachte dann auch mit sich, dass der normale Grenzübergang gesperrt war. So hieß es bis einen Tag vor Abfahrt, es sei gar nicht sicher, dass wir fahren könnten. Weil der Grenzübergang nicht öffnete, wurde umdisponiert und wir sollten die alternative Route über Ollagüe nehmen. Dafür mussten wir wohl auf ein, zwei Highlights verzichten, sahen dafür aber zwei andere Lagunen.

 

Frühstück kurz vor der Grenze zu Bolivien
Frühstück kurz vor der Grenze zu Bolivien

 

Traumhafte Lagunen, viele, viele Flamingos und eine Eiseskälte

 

Wie so oft ging es sehr früh morgens los. Um 3 Uhr stiegen wir verschlafen als eine recht große Gruppe in einen Bus; das verwirrte erstmal, denn uns wurde gesagt, wir fahren mit einem Jeep. Nach dem Frühstücksstop wurden wir dann aber auch umsortiert. Später sollten wir auch merken, warum man für die Strecke unbedingt einen Geländewagen braucht. Die Guides hievten die großen und kleinen Backpacks auf die Dächer des Jeeps, was ich erstmal skeptisch beobachtete, und los ging's. Wie unser Guide Orlando den Weg gefunden hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Mitten durch die Steppe, durch kleine Bäche und über große Steine fuhren wir vorbei an Lagunen voller Flamingos und dem berühmten Steinbaum ("Arbol de piedras"). Orlando stoppte bei landschaftlichen Highlights und wartete geduldig, bis wir unsere hobbyfotografischen Talente ausprobiert hatten.

 

Flamingos aus der Ferne...
Flamingos aus der Ferne...
... und Flamingos aus der Nähe
... und Flamingos aus der Nähe
Baum aus Stein in der schneebedeckten Wüste
Baum aus Stein in der schneebedeckten Wüste

 

Nachmittags schlug Orlando vor, wir könnten doch noch an Geysiren vorbeifahren. Wir waren natürlich begeistert und stimmten zu. Es war ein kleiner Umweg und so dämmerte es schon fast, als wir ankamen. Wir sprangen aus dem Auto und liefen zu den Geysiren. Ich staunte nicht schlecht, als ich den Rauch aus den Löchern im Boden stiegen sah. Ein paar Fotos und Orlando mahnte uns, dass wir uns jetzt beeilen mussten. Wenn wir nicht rechtzeitig wieder auf den Weg zurückkehrten, finde er sich im Dunkeln nicht mehr zurecht. Es seien schon Menschen gestorben in der nächtlichen Wüstenkälte. Mir wurde ganz anders zumute, als unser Jeep auf einmal nicht mehr vom Fleck kam - die Reifen drehten durch! Die Männer aus der Truppe mussten aussteigen und anschieben, rutschten selbst weg und die Kälte tat ihr übriges. Nach ein paar Minuten, die mir vorkamen wie eine Ewigkeit, rollten die Reifen wieder und wir konnten weiterfahren! Rechtzeitig schafften wir es auch wieder auf den Weg und unser Guide brachte uns sicher in unsere erste Unterkunft.

 

Faszination Geysir
Faszination Geysir

 

Wir sahen nicht mehr viel von dem Häuschen, da es schon dunkel war, als wir ankamen. Unsere Gruppe war zusammen in einem einfachen Zimmer untergebracht, daneben befand sich ein Gemeinschaftsraum, wo wir unser Abendessen zu uns nahmen. Das Haus war nicht beheizt, umso mehr freuten wir uns auf Tee und Suppe und über die fünf Alpaca-Decken, die in den Betten auf uns warteten. Die fünf Decken hielten mich aber nicht davon ab, meinen Schlafsack auch noch auszupacken und mich in ihn einzumurmeln bevor ich die Decken darüber legte. Das kleine Bad des "Hotels" war auch sehr einfach, nicht gefliest, kein Schnickschnack, lediglich eine Toilette, ein Waschbecken und eine unverputzte Ecke, über der ein Duschhahn hing (Warmwasser kostete 10 Bolivianos, ca. 1 Euro) - und vor der ein Disney-Arielle-Duschvorhang hing!

 

Neugierige Lamas
Neugierige Lamas

 

Vom Lama-Land zum Quinoa-Exporteur

 

Der zweite Tag führte ebenfalls an beeindruckenden Landschaften vorbei, unter anderem an der schwarzen Laguna Mistica, an der wir uns ein wenig die Beine vertraten sowie an unvergleichbaren Steingebilden. Tagsüber war die Temperatur sehr angenehm, trotz des Frosts heizte uns die Sonne auf. Orlando zeigte uns auch eine Schlucht, in die wir runterschauten und bei der wir aufpassen mussten, bei Windstärke Fünfhundertdreiundzwanzig nicht hineingeweht zu werden. Unser Mittagessen bekamen wir in einem kleinen Dorf, abgeschieden vom Rest der Welt und dann dauerte es auch gar nicht mehr sooo lang, bis wir am Nachmittag in unserer zweiten Unterkunft ankamen, einem Salzhotel, schon ganz in der Nähe des Salar de Uyuni, der Höhepunkt des Trips. Wir hatten von 18 bis 21 Uhr Strom, den wir nutzten, um unsere Kameraakkus zu laden und eine warme Dusche zu nehmen. Zum ersten Mal gab es an diesem Abend nun auch Quinoa - davon hatte uns Orlando schon so viel erzählt. Es wird in der Region angebaut und ist lukrativ für die Bauern, sehr viel lukrativer als Lamafleisch und Lamawolle. Deswegen setzen sich viele Bauern dafür ein, dass das Land für den Quinoa-Anbau und nicht für die Lama-Haltung genutzt wird. Das führt auch dazu, dass verlassene Geisterstädte langsam wiederbelebt werden - die ursprünglichen Bewohner kehren zurück und stecken alle Hoffnung in das Inka-Korn.

 

Wer findet das Viscacha?
Wer findet das Viscacha?
Laguna Mistica - schwarz und mystisch
Laguna Mistica - schwarz und mystisch

 

Sonnenaufgang über dem Salar de Uyuni

 

Für den dritten Tag steht das eigentliche Erlebnis der Tour auf dem Programm. Ich schlief die Nacht nochmal zusätzlich zu den Decken im Schlafsack, hatte ich mich doch immer noch nicht an diese eisige Kälte gewöhnt. Früh morgens - wie sollte es anders sein - begann der letzte Tag: Wir wollten ja auch den Sonnenaufgang über dem riesigen Salzsee sehen. Nachdem wir ungefähr eine halbe Stunde über den See gefahren waren, fragte uns Orlando: "Und, was denkt ihr, in welcher Richtung liegt unser Hotel der letzten Nacht?". Ich riet und zeigte in eine Richtung ohne den leistesten Schimmer zu haben. Natürlich lag ich falsch und bewunderte den herzlichen Bolivianer ein weiteres Mal für seine unglaubliche Ortskenntnis ohne jegliche Anhaltspunkte zu haben.

 

Wir genossen jede Sekunde des Sonnenaufgangs und bereuten es nicht einmal, so früh aufgestanden zu sein.

 

 

In der Mitte des 12.000 Quadratkilometer großen Salzsees befindet sich eine Insel, auf der geschätzte drei Millionen Katkeen wachsen. Es gibt einen kleinen Rundgang über die Insel, was nach den vielen Kilometern auf dem Autositz sehr gut tat, und auch ein kleines Museum, das zeigt, wie die Menschen in der Gegend früher lebten. Mehrere Jeeps kamen zum Frühstücken zur Insel und eine große Befürchtung trat ein: Eines der Autos sprang nicht mehr an. Die Guides versammelten sich gemeinsam um die Motorhaube herum, so richtig wissend wirkte aber keiner von ihnen. Irgendwie schafften sie es dann aber doch, den Motor wieder zum Laufen zu bringen.

Später am Nachmittag besuchten wir noch einen Bereich des Sees, auf dem das Salz abgebaut wird. Nur ein sehr geringer Anteil wird exportiert, der Rest bleibt im Land und wird in der Lebensmittel- und Chemieindustrie genutzt. Ein Minenarbeiter verdient etwa 100 Dollar im Monat, in einigen Teilen Boliviens bekommt man für 10 Dollar Miete im Monat ein Zimmer.

 

Kakteen und Salz, soweit das Auge reicht
Kakteen und Salz, soweit das Auge reicht
Motorschaden?
Motorschaden?

 

Der Tag endete in dem kleinen Ort Uyuni, der sich direkt am See befindet. Wir besichtigten als Abschluss des Trips den Cementerio de Trenes. Als die nördliche Spitze des heutigen Chiles noch zu Bolivien gehört hatte, wurde eine Bahnstrecke von Uyuni bis ans Meer betrieben, um die vielen wertvollen Rohstoffe des Landes (Silber, Kupfer, Salpeter) zu transportieren und an den Handel freizugeben. Im Zuge des Salpeterkriegs verlor Bolivien den Zugang zum Meer und die Bahnstrecke wurde still gelegt. Die Beschränkung des Handels führte in Bolivien dazu, dass die Bodenschätze weder verkauft noch genutzt wurden und das Land entwickelte sich im Vergleich zu den Nachbarländern sehr viel langsamer. Während es heute immer noch verschrieen ist als ärmstes Land des Kontinents und gefährliches Drogenanbaugebiet mit Kokainproduktion, kann ich dem aus meinen eigenen Erfahrungen heraus nur widersprechen. Selbstverständlich gibt es immer noch viele Probleme, viel Armut und nicht ausgebaute Straßen. Und wahrscheinlich gibt es auch Kriminalität in unterschiedlichsten Formen. Reist man aber mit offenen Augen und gesundem Menschenverstand, kann man vieles vermeiden.

Was Bolivien auf jeden Fall ist: Ein Land voller beeindruckendster Schönheiten der Natur, ein Land voller Vielfalt - von Wüste bis Dschungel - und ein Land mit sehr viel Geschichte.

 

Ein Land voller Geschichte: Der Cementerio de trenes ("Bahn-Friedhof")
Ein Land voller Geschichte: Der Cementerio de trenes ("Bahn-Friedhof")

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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine von Ferngeweht (Freitag, 15 April 2016 19:25)

    Schöner Bericht! Klingt sehr ähnlich wie unsere Route, auch wenn wir von Tupiza in Bolivien losgefahren sind statt von Chile aus. Wann warst Du denn dort? Wir waren letztes Jahr im Juli vier Wochen in Bolivien. Wenn Du magst, kannst Du Dir ja meine Tour zum Salar mal anschauen :-) Bi gespannt auf weitere Bolivien-Berichte!

  • #2

    Marit (Freitag, 15 April 2016 23:06)

    Hallo Sabine!
    Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich war 2013 dort, ist also schon ein bisschen her... Werde mir deinen Bericht auf jeden Fall mal durchlesen! :)
    Liebe Grüße!